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Warum weinen wir?

Weinen ist eine seltsame Sache. Vor etwa 150 Jahren erklärte Charles Darwin Tränen für „zwecklos“, dennoch weinen wir. In allen menschlichen Kulturen wurde und wird geweint. Ist etwas so Menschliches wirklich so „zwecklos“?

Warum weinen wir

​Wie das Lachen zählt auch das Weinen zu den angeborenen menschlichen Verhaltensweisen. Es wird nicht erlernt, jeder kann weinen. Babys tun es, sobald sie den Mutterleib verlassen haben, Kinder tun es häufig, wenn ihnen etwas weh tut, sie traurig, wütend oder ängstlich sind, Erwachsene manchmal auch, wenn sie sich über etwas sehr freuen oder gerührt sind, zum Beispiel beim Musikhören.

Wie häufig Erwachsene weinen, ist sehr kulturabhängig. In westlichen Kulturen weinen Frauen im Durchschnitt häufiger und länger als Männer. Bei Kindern gibt es diese Geschlechtsunterschiede aber nicht – Jungen weinen genauso oft wie Mädchen.

Darüber, warum Menschen weinen, gibt es viele Theorien, aber keine gesicherten Erkenntnisse.

 

Die soziale Funktion – eine stützende Schulter

Vielleicht du schon erlebt, wie bedeutend es sein kann, jemanden zu trösten, der weint, oder getröstet zu werden, wenn du traurig bist? Tränen haben eine starke soziale Funktion.

Weinen kann ein Weg sein, um anderen Menschen mitzuteilen, dass du Trost, Unterstützung und Bindung brauchst. Die Tröstenden empfinden dabei Mitgefühl und möglicherweise Dankbarkeit dafür, dass dir etwas so Persönliches anvertraut wird. Die Offenlegung deiner Verletzlichkeit gegenüber anderen kann deine Beziehungen stärken und uns helfen, schwierige Zeiten mit Hilfe anderer zu überwinden.

 

Die kathartische Funktion – „Es geht mir schon besser“

Emotionale Tränen unterscheiden sich von den Reflextränen, die jeder Mensch pausenlos produziert, um dem den Augapfel zu nähren und zu schützen. Über sie werden nicht nur Stresshormone aus dem Körper gespült, sie enthalten auch ein natürliches Schmerzmittel und fördern die Produktion von Endorphinen – Hormone, die dazu beitragen, dass wir uns glücklich und zufrieden fühlen. So können emotionale Tränen als „emotionales Schmerzmittel“ dienen. Das nennt man die kathartische Funktion des Weinens.

Tatsächlich fühlen sich viele Menschen nach dem Weinen besser.

 

Traurigkeit lässt sich nicht in Millilitern messen

Manche Menschen wünschen sich, sie könnten in bestimmten Momenten mehr weinen, aber die Tränen wollen einfach nicht kommen. Bei anderen geht das hingegen ganz schnell, auch wenn sie gar nicht so traurig sind. Es kann frustrierend sein, wenn das, was wir fühlen, nicht mit dem übereinstimmt, was wir ausdrücken wollen.

Klar ist aber: Sich selbst wegen etwas fertigzumachen, das man nicht kontrollieren kann, wird nicht helfen. Egal ob du oft oder selten weinst, deine persönlichen Eigenheiten, auch beim Weinen, sind ein Teil von dir. Außerdem wird Traurigkeit von innen erlebt. Niemand kann ihre Intensität sichtbar von außen messen – und niemand sollte es versuchen, nicht einmal du selbst.

 

Männer weinen nicht?

Auch heute noch gibt es in den westlichen Kulturen viele Menschen, die glauben, dass Männer „hart“ sein müssen und niemals Verwundbarkeit zeigen sollten. Diese Einstellung ist so fest verwurzelt, dass Männer tatsächlich viel seltener weinen, obwohl sie nicht seltener traurig, ängstlich oder wütend sind.

Was auch immer Ihre Meinung über Geschlechterrollen ist. Sich einen natürlichen Bewältigungsmechanismus, der emotionalen Druck verringern kann, zu versagen ist nicht hilfreich. Das kann dazu führen, dass Männer psychische Erkrankungen anders erleben als Frauen, häufiger versuchen, ihre Probleme allein auf ungesunde Art und Weise zu bewältigen und sich auch deutlich später Hilfe suchen.

 

Wann ist es zu viel?

Hier gibt es, wie so oft im Leben, keine allgemeingültige Regel. Neben den persönlichen Unterschieden darin wie nah jemand am Wasser gebaut ist, spielen auch die Umstände eine Rolle.

Trauert jemand nach dem Tod einer nahestehenden Person, ist häufiges Weinen nicht Ausdruck einer psychischen Störung, sondern normal. Auch In Phasen der Übermüdung und Erschöpfung fließen die Tränen schneller.

Wenn du öfter weinst und keine gute Erklärung dafür hast, könnte auch eine Depression oder eine andere psychische Erkrankung die Ursache sein. Die geht mit weiteren Symptomen einher:

  • Niedergeschlagenheit
  • Weniger Energie
  • Weniger Freude an den meisten Dingen
  • Veränderter Appetit
  • Schuldgefühle
  • Konzentrationsstörungen
  • Geringes Selbstwertgefühl

Wenn dies der Fall ist, dann sind auch die früheren Funktionen des Weinens womöglich nicht mehr wirksam. Und es wird Zeit professionelle Hilfe in Betracht zu ziehen.

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