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Angst aus heiterem Himmel: Was passiert bei einer Panikattacke?

Herzrasen, Schwindel, Druck auf der Brust, Atemnot, Angst die Kontrolle zu verlieren, oder sogar zu sterben… Wer schon mal eine Panikattacke erlebt hat, weiß: Dieser Ausnahmezustand ist extrem unangenehm. In diesem Artikel beleuchten wir eine Reihe von Fragen rund um das Thema Panik: Wie kommt es eigentlich zu Panikattacken? Sind sie gefährlich? Und was kann Betroffenen helfen?

Was tun bei einer Panikattacke?

Alarm ohne Gefahr

Piep, Piep, Piep – Wenn es brennt, schlägt der Rauchmelder Alarm und weist unüberhörbar auf die Gefahr hin. Ganz ähnlich funktioniert auch das menschliche “Alarmsystem” Angst. Das wird aktiviert, wenn du dich in einer Situation befindest, die in irgendeiner Weise bedrohlich für dich sein könnte. Die Angst warnt dich und stellt dir Energie bereit, um entweder fliehen oder dich der Gefahr stellen zu können.

In vielen Situationen ist dieser angeborene Alarm enorm wichtig und hilfreich, in manchen sogar überlebenswichtig. Stell dir vor, du fährst im Winter abends auf der Autobahn. Es ist stockdunkel, plötzlich setzt starker Schneefall ein, du siehst kaum noch etwas. Angst zu empfinden ist dann eine vollkommen normale Reaktion und wird vermutlich dazu führen, dass du dich noch mehr auf die Straße konzentrierst, langsamer fährst oder die nächste Ausfahrt nimmst und eine Pause einlegst.

Manchmal kann Angst aber auch unverhältnismäßig stark auftreten oder ganz ohne dass eine konkrete Bedrohung besteht. Das ist dann in etwa so, als würde ein Rauchmelder bereits bei leichtem Wasserdampf während des Kochens oder Duschens anspringen, oder einfach so – aus heiterem Himmel – Alarm schlagen.

So auch bei Panikattacken: Bei Panikattacken werden Körper und Gehirn innerhalb kürzester Zeit in vollen Alarmzustand versetzt. Intensive Angst kommt auf, begleitet von starken körperlichen Reaktionen wie Herzrasen, Schwindel oder Übelkeit und sich überschlagenden Gedanken wie “Ich werde verrückt” oder “Ich werde sterben”. Was den Alarm ausgelöst hat, ist für die Betroffenen nicht erkennbar, er kommt scheinbar wie aus dem Nichts. Wie kommt es dazu?

 

Der Teufelskreis der Angst

Hinter einer Panikattacke steckt ein Aufschaukelungsprozess von körperlichen und gedanklichen Vorgängen – dieser wird auch „Teufelskreis der Angst“ genannt. Panikattacken haben nicht nur eine einzige Ursache, mehrere Faktoren greifen ineinander. Mögliche Einflüsse sind beispielsweise Stress, wenig Schlaf und der Konsum von Nikotin, Koffein, Alkohol oder Drogen.

Auch die Wahrnehmung des eigenen Herzschlags kann Unwohlsein und Angst auslösen. Die Angst führt dann dazu, dass der Körper mehr Energie bereitstellt – in der Konsequenz schlägt das Herz tatsächlich scheller. Das Gehirn schaltet sich ein und bewertet diese körperliche Veränderung als „Gefahr“, was wiederum dazu führt, dass es das Herz noch schneller schlagen lässt – der Aufschaukelungsprozess ist in vollem Gange.

Bei einer Panikattacke erreicht die Angst in der Regel nach einigen Minuten ihren Höhepunkt und klingt dann langsam wieder ab. Nach 15 bis 20 Minuten ist sie meistens vorbei. Der Körper kann den vollen Alarmzustand nämlich gar nicht so lange aufrechterhalten und schaltet irgendwann automatisch in den Erholungsmodus – ohne, dass du dafür etwas bestimmtes tun musst.

 

Unangenehm, aber ungefährlich

Die Körperreaktionen, die während einer Panikattacke auftreten, können extrem unangenehm und beängstigend sein. Diese können so bedrohlich wirken, dass einige Betroffene sogar Todesangst empfinden und den Notruf wählen. Manche sorgen sich auch nach der überstandenen Attacke, dass körperlich etwas nicht in Ordnung sein könnte.

Panikattacken sind meist das Ergebnis eines Zusammentreffens von einem eher ängstlichen Temperament, bestimmten Erfahrungen und starkem Stress – in den allermeisten Fällen treten sie ohne körperliche Ursache auf. Wenn du zum ersten Mal eine Panikattacke erlebt hast, kann es trotzdem sinnvoll, dich einmal ärztlich durchchecken zu lassen, um körperliche Ursachen wie z.B. eine Schilddrüsenerkrankung auszuschließen.

Auch wenn sie sich nicht so anfühlt, ist eine Panikattacke im Grunde ein harmloser Fehlalarm. Ein Fehlalarm, der nach kurzer Zeit von selbst unterbrochen wird. Das Herz-Kreislaufsystem nimmt durch eine Panikattacke keinen Schaden.

 

Panikstörung: Wenn Panikattacken das Leben beeinträchtigen

Wusstest du, dass Panikattacken ganz schön häufig vorkommen? Vereinzelte Panikattacken erlebt ungefähr jede:r Dritte irgendwann im Verlauf des Lebens. Das ist dann aber noch keine Erkrankung. An einer sogenannten Panikstörung erkrankt nur etwa eine von zwanzig Personen.

Eine Panikstörung liegt dann vor, wenn Panikattacken wiederholt auftreten und eine große Rolle im Leben der Betroffenen spielen. Manche Menschen entwickeln in Folge einer Panikattacke Angst vor der Angst. Das bedeutet, dass sie sich starke Sorgen darüber machen, dass weitere Panikattacken auftreten. Oft geht das dann auch damit einher, dass die Betroffenen ihr Verhalten verändern und bestimmte Dinge meiden, um nicht noch einmal so etwas Unangenehmes erleben zu müssen.

Manche Menschen mit einer Panikstörung versuchen zum Beispiel körperliche Anstrengung oder Aufregung zu vermeiden, um Puls und Herzschlag nicht in die Höhe zu treiben. Andere vermeiden allein zu sein, um im Notfall nicht ohne Hilfe zu sein. Und manche versuchen sich durch häufige Arztbesuche etwas Beruhigung zu verschaffen. Solche und ähnliche Verhaltensweisen nennen wir in der Psychologie Vermeidungs- oder Sicherheitsverhalten.

All diese Verhaltensweisen haben gemeinsam, dass sie zunächst beruhigen und die Angst vor einer erneuten Panikattacke durchaus verringern können. Es gibt jedoch ein großes Aber: Denn je mehr jemand das Leben danach ausrichtet, weitere Panikattacken zu vermeiden, desto bedrohlicher werden sie in der Vorstellung – die Angst verfestigt sich und gewinnt immer mehr die Oberhand. Zudem kann Vermeidung viel Freiheit kosten und das Leben auf lange Sicht sehr einschränken, zum Beispiel, wenn jemand alle Aktivitäten meidet, die mit Aufregung oder Anstrengung verbunden sind.

 

Was kann helfen?

 

Kurzfristig:

Im Falle einer Panikattacke ist es am hilfreichsten, die körperlichen Vorgänge und die Angst zu akzeptieren. Konkret bedeutet das, nicht gegen die Panik anzukämpfen, sondern anzuerkennen, dass sie nun gerade da ist. Mache dir bewusst, dass es sich um eine Panikattacke handelt, die du erlebst – eine unangenehme, aber ungefährliche Stressreaktion, die vorbeigehen wird. Sage dir zum Beispiel ganz bewusst: “Ich habe eine Panikattacke. Das ist jetzt so.”

Zudem kann es helfen, bewusst zu Atmen. Bei Panik wird die Atmung nämlich automatisch flacher und schneller – dadurch kann das Gefühl entstehen, keine Luft zu bekommen, was dann noch mehr Angst erzeugt. Dem kannst du entgegenwirken, indem du bewusst durch die Nase einatmest und dabei auf 4 zählst, die Luft für 7 Zählzeiten anhältst und dann 8 Zählzeiten lang ausatmest. Das längere Ausatmen beruhigt dabei dein Nervensystem. Das Ganze kannst du so lange wiederholen, bis du einen Effekt wahrnimmst.

 

Langfristig:

Nach einer Panikattacke solltest du darauf achten, dein Verhalten nicht zu verändern. Also: Wenn du nach dem Radfahren eine Panikattacke hattest, geh auch weiterhin Radfahren. So signalisiert du deinem Gehirn, dass die Panikattacke ein Fehlalarm war und kein Grund zur Sorge besteht.

Falls du häufiger unter Panikattacken leidest und bemerkst, dass sie dein Leben beeinflussen, solltest du dir Unterstützung suchen. Angststörungen sind in der Regel gut behandelbar. Gemeinsam mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten kannst du den Ursachen für die Panikattacken auf den Grund gehen und lernst Schritt für Schritt, der Angst zu begegnen. Viele Betroffene berichten, dass eine Psychotherapie ihnen zu mehr Freiheit und Lebensqualität verholfen hat.

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