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Können Antidepressiva Depression heilen? 9 wichtige Fakten

Bei Depression stehen in der Regel zwei Behandlungsmöglichkeiten im Vordergrund: Psychotherapie und die Behandlung mit Medikamenten. Während die Psychotherapie als sehr hilfreich gilt, gibt es bei der Wirksamkeit von Antidepressiva gemischte Ergebnisse. 

Antidepressiva Depression

Was sind die wichtigsten Dinge, die Sie über Antidepressiva wissen sollten?

 

Zuallererst: Mit einem Experten sprechen!

Generell gilt: Medikamente sollten nie ohne vorherige Rücksprache mit einem Arzt eingenommen, in der Dosis verändert oder abgesetzt werden. Hausärzte verschreiben recht häufig Antidepressiva. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Antidepressiva, die sich in ihrer Wirkung teilweise unterschieden. Einige aktivieren eher, andere beruhigen. Manchmal ist es notwendig, mehr als eine Art von Antidepressivum auszuprobieren. Um das richtige Medikament und die richtige Dosis zu finden, ist eine Behandlung durch einen Facharzt sinnvoll. In diesem Fall ist das der Psychiater. Als Facharzt für psychische Störungen hat er die meiste Erfahrung.

Neben den Depressionssymptomen, die im Vordergrund stehen, spielt bei der Auswahl eines geeigneten Antidepressivums auch eine Rolle, ob jemand noch andere Erkrankungen hat oder anderer Medikamente einnimmt. Hier geht es darum unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen zu vermeiden. Es ist deshalb wichtig, dass Ihr Arzt über alle gesundheitlichen Probleme informiert ist.

Wenn Sie eine Psychotherapie machen, ist es sinnvoll, auch mit dem Psychotherapeuten über das Thema Antidepressiva zu sprechen. Er sollte darüber informiert werden, wenn ein Medikament neu verordnet wird, wenn sich an der Dosis etwas ändert oder wenn es abgesetzt wird. Manchmal kann es auch sein, dass der Psychotherapeut einen Besuch beim Psychiater anregt, um zusätzlich zur Psychotherapie ein Behandlung mit Antidepressiva anzustoßen. Das ist vor allem bei Depressionen mit schwerem Verlauf oft sinnvoll.

 

Antidepressiva verändern den Stoffwechsel im Gehirn.

Die genauen Mechanismen, mit denen Antidepressiva die Depression beeinflussen, sind noch nicht vollständig verstanden. Im Allgemeinen beeinflussen Antidepressiva jedoch die Regulation von chemischen Substanzen im Gehirn, den sogenannten Neurotransmittern (insbesondere Serotonin, Noradrenalin und Dopamin), die nachweislich mit depressiven Symptomen zusammenhängen.

 

Antidepressiva brauchen Zeit.

Es dauert in der Regel etwa zwei Wochen, bis sich abzeichnet, ob ein Medikament das Passende ist und richtig eingestellt ist oder ob eine Änderung notwendig ist. Wenn Sie nach vier bis sechs Wochen keine Besserung bemerken, sollten Sie sich an Ihren Psychiater wenden. Sollten sich Suizidgedanken einstellen, verstärken oder sonstige Schwierigkeiten auftreten, ist es unabdingbar, dass Sie umgehend den Arzt kontaktieren. In der Regel wird ein Medikament mindestens über ein halbes Jahr durchgehend genommen und dann mit dem Psychiater das weitere Vorgehen besprochen. Gegebenenfalls ist dann ein Absetzen möglich, aber nur unter engmaschiger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt.

 

Antidepressiva sind nicht bei jeder Depression sinnvoll.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Behandlung mit Antidepressiva einen Nutzen hat. Der Grad dieser Wirksamkeit hängt jedoch davon ab, wie ausgeprägt die depressiven Symptome sind. Eine Studie ergab, dass sich die Symptome von Menschen mit leichter bis mittelschwerer Depression bei Behandlung mit Antidepressiva nicht stärker verbesserten als bei einer Gruppe, die ein Placebo einnahm. Allerdings zeigte sich bei denen mit schwerer Depression eine höhere Effektivität des Medikaments als beim Placebo. Die Empfehlungen nach medizinischen Standards lauten wie folgt:

Leichte depressive Episode: Psychotherapie hat die besten Ergebnisse gezeigt. Medikamente sollten nicht die erste Wahl sein, können aber verwendet werden, wenn es in der Vergangenheit bereits depressive Episoden gab oder wenn die betroffene Person zuvor positive Erfahrungen mit Medikamenten gemacht hat. Eine Medikation kann auch in Betracht gezogen werden, wenn keine Psychotherapie zur Verfügung steht oder gewünscht wird.

Mittelgradige depressive Episode: Es können entweder Medikamente oder Psychotherapie eingesetzt werden, da beides in Studien eine vergleichbare Wirksamkeit gezeigt hat. Eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie führt nicht zu besseren Ergebnissen. Eine Kombination sollte man nur dann in Betracht ziehen, wenn eine Behandlung allein nicht erfolgreich ist. Eine Kombination kann auch dann verwendet werden, wenn es frühere depressive Episoden gab oder wenn die betroffene Person zuvor gute Ergebnisse mit Medikamenten zeigte.

Schwere depressive Episode: Eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie ist hier sinnvoll und angezeigt, da sie bessere Resultate zeigt als die alleinige Anwendung einer der beiden Behandlungen.

Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich bewährt, um das Wiederauftreten von Depressionen zu verhindern. Die Psychotherapie zeigt im Vergleich zur Medikation eine niedrigere Rate von wiederkehrenden depressiven Episoden.

 

Antidepressiva sind nicht die einzige Art von Medikamenten gegen Depression.

Obwohl Antidepressiva am häufigsten gegen Depression verschrieben werden, können auch andere Arten von Medikamenten zum Einsatz kommen.

Lithium: Lithium ist Stimmungsstabilisierer und kann ergänzend zu einem Antidepressivum gegeben werden, um die Wirkung zu verstärken. Daneben kann das Medikament eingesetzt werden, um wiederkehrenden depressiven Phasen vorzubeugen. Lithium wird häufig bei Patienten mit einer bipolaren Störung eingesetzt, bei der sowohl depressive als auch manische Phasen auftreten.

Echtes Johanniskraut hat eine antidepressive Wirkung und kann insbesondere bei leichten bis mittelschweren Episoden unterstützen. Es gibt jedoch viel Diskussionen über effiziente Dosierungen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können schwerwiegend sein – also vor der Einnahme unbedingt mit einem Arzt sprechen!

 

Über typische Nebenwirkungen sollten Sie Bescheid wissen.

Wie jedes andere Medikament können Antidepressiva neben der erwünschten Hauptwirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Hier ist immer eine genaue Abwägung von Nutzen und Nachteilen notwendig.

Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen, Libidoverlust, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen, Blutdruckschwankungen und Schwitzen. Diese Nebenwirkungen können von Medikament zu Medikament und von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. In der Regel werden sie in den ersten Wochen der Einnahme des Medikaments am stärksten wahrgenommen. Um gemeinsam zu entscheiden, welches Medikament das Passende sein könnte, ist es wichtig ganz individuell vorab weitere Wirkungen des Präparats mit zu besprechen:

Fühlen Sie sich beispielsweise sehr unruhig? Dann kann eine Medikation helfen, die eher etwas müde macht. Neigen Sie du zu Kopfschmerzen? Dann sollte ein Medikament gewählt werden, bei dem diese Nebenwirkung eher selten ist. Die Symptome der Depression können genau besprochen werden und Schlafstörungen, Morgentief und Co. können in die Überlegung zur Wirkung sowie zu den Nebenwirkungen mit einbezogen werden. Sobald Sie mit der Einnahme von Medikamenten zur Behandlung von Depressionen beginnen, sollten Sie, wenn unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, den Arzt kontaktieren, um die nächsten Schritte zu besprechen. Hören Sie nicht auf, das Medikament zu nehmen und ändern Sie die Dosierung nicht, ohne vorher mit dem Arzt zu sprechen.

 

Information vor der Medikation.

Überlegen Sie sorgfältig und informieren Sie sich umfassend über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen, bevor Sie mit der Einnahme von einem Medikament beginnst.

Medikamente können eine wirksame Behandlungsoption für Depressionen sein, besonders wenn die Symptome schwerwiegend sind oder wenn Sie in der Vergangenheit bereits depressive Episoden erlebt haben. Wenn Ihre depressiven Symptome hingegen leicht oder mittelgradig sind und Sie noch nie zuvor eine depressive Episode hatten, ist Psychotherapie meist die bessere Wahl. In jedem Fall ist es wichtig, individuell und in enger Abstimmung mit Fachleuten die passende Behandlung zu finden.

Denken Sie daran, dass es neben Psychotherapie und Medikamenten auch andere Maßnahmen gibt, die Sie ergreifen können, um die Symptome zu lindern. Dazu gehören die Steigerung der körperlichen Aktivität und mehr soziale Aktivitäten. Der Depression auf verschiedenen Ebenen zu begegnen, bietet die beste Möglichkeit einen Umgang mit ihr zu finden.

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